Mittwoch, 9. März 2011

Es ist nicht immer leicht...

... es allen recht zu machen. Die Balance zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu halten gleicht einem Tanz auf dem Hochseil. Mein ärgster Feind ist dabei die Zeit. Sie rinnt mir unaufhaltsam durch die Finger und nun sind wir längst im dritten Monat angekommen. Ich befürchte, dass er, ehe ich mich besonnen habe, bereits wieder zu Ende geht.   
Auch wenn der Februar der kürzeste Monat des Jahres ist, so fehlen mir doch noch 500g verarbeitete Wolle in meiner Statistik. Das muss ich nun im März aufholen.
Dabei mangelt es mir nicht an Ideen oder Zeit. Irgendwie bin ich die ganze Zeit aktiv und sehe doch kein richtiges Ergebnis. Ich weiß, dieser Eindruck ist sehr subjektiv. Trotzdem macht es mich nicht wirklich glücklich.
Da experimentiere ich an einem Design, habe eine konkrete Vorstellung im Kopf und mag mich einfach nicht auf Kompromisse einlassen. Irgendetwas lässt sich immer noch optimieren. Und so werkele ich mit 300g Sockenwolle seit drei Wochen, ohne ein FO.
Ähnlich einer Turbine sollen hier einzelne Elemente vom selben Stil aneinander, ineinander und umeinander angeordnet werden und ein schönes, leicht nachzuarbeitendes Halstuch für exakt 100g Sockenwolle ergeben. Nicht zu vergessen, das Muster soll auch in einfachen und gut verständlichen Formulierungen in eine Anleitung geschrieben werden können. So arbeite ich an der Synthese von der Theorie meiner Gedanken und der praktischen Umsetzung. Jetzt habe ich drei Varianten auf den Nadeln, jede für sich gut, aber eben nicht perfekt. Da ist er wieder, mein Anspruch, der mich behindert.


Wenn ich auch noch kein fertiges Teil vorweisen kann, so habe ich doch wenigstens schon eine Idee, wie ich die Anleitung gestalten werde, zweispaltig, zweisprachig. Ein Dokument für alle künftigen NachstrickerInnen.
Weitere 100g handgesponnenes Garn habe ich zu einer Netbookhülle erst verstrickt und anschließend in der Waschmaschine gefilzt. Ich bin sehr stolz darauf, das Maß so kalkuliert zu haben, dass es perfekt passt.


Mit meiner Deckenidee bin ich auch noch nicht mit mir selbst einig. Möglich, dass ich viel zu kopflastig heran gehe. Da kommen und gehen die Vorstellungen in meinen Gedanken, keine ist stark genug, dazubleiben. So werde ich meine Aufholjagd damit beginnen, ordentlich Garn zu spinnen. Manchmal "sagt" mir das Garn, was es denn gern werden will.
Ich besitze ein tolles Buch zu diesem Thema, das ich jedem kreativen Menschen nur empfehlen kann.
"The Lazy Way to Success" geschrieben von Fred Gratzon zeigt die Route, wie man ohne Anstrengung alles erreichen kann. Naja, so ganz einfach ist es nun doch nicht. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es manchmal wirklich besser ist, alles sein zu lassen, wenn man nicht weiter kommt. So gebe ich mir gerade selber frei, spinne einige schöne Garne und gestatte es mir, die Entscheidung über mein Deckendesign erst einmal nicht zu treffen. Auch wenn ich dann später zwei volle Monate aufholen muss, ist das allemal besser, als anzufangen und nach der Hälfte aufzugeben, weil es mir nicht gefällt. Ein Projekt, das ewig liegt und nie zu seiner Vollendung gelangt, hinter dem steht der Schöpfer nicht und dann sollte man sich auch nicht auf den Kampf mit sich selbst einlassen, es unbedingt auf Krampf fertig zu stellen. Das ist meine Meinung und die teilen auch Lena und Emma.




Mittwoch, 16. Februar 2011

Ich liege zwar im Rückstand, habe aber eine Idee

Ich habe mich verzettelt. Lief der Januar noch nach Plan, so bin ich im Februar im Verzug. Es ist nicht so, dass ich nichts getan hätte. Nur richtig vorangekommen bin ich nicht. Irgendwie waren lauter andere Dinge zu erledigen und so blieb für meinen Vorsatz einfach nicht genug Zeit.
Zu meiner Ehrenrettung muss ich noch sagen, dass ich dem Wunsch meines Mannes, mir etwas mehr Zeit für die Familie zu nehmen gern entsprechen will. Dem häuslichen Frieden zu liebe, lasse ich meine Hände gelegentlich ruhen. Schließlich ist mir das sehr wichtig. Wer will schon ständig benörgelt werden? Gerade wo das Nörgeln der Beziehungskiller Nummer Eins ist. Wie oft habe ich schon gedacht, das ist doch ganz klar, wenn mich jemand anderes nicht verstanden hat. In meinen eigenen Gedanken absolut fest gefahren, habe ich vergessen, dass jeder für sich selbst eine Sicht auf die Dinge hat. Nun weiß ich seit einiger Zeit, dass mein innerer Frieden auch davon abhängt, nicht immer mit dem Kopf durch die Wand zu müssen. Das tut keinem gut. Natürlich ist es im Gegenzug auch nicht befriedigend, immer klein bei zu geben. Das Geheimnis liegt hierbei, genau wie in allen Belangen unseres Lebens, in der Balance. So entscheide ich selbst, wann ich wie wo wem den Vorrang lasse. Und so passiert es dann, dass ich schon mal nicht so wollproduktiv bin.
Mein Vorhaben ist ja an sich schon sehr sportlich. Wenn ich eine Idee umsetzen, und zusätzlich noch die entsprechende Menge an Fasern und Garn verarbeiten will, dann kollidieren zwei unterschiedliche Aspekte von ein und dem selben Interesse. Die Zeit reicht nicht aus. Das kennt wohl jeder.
Aber ich wäre nicht ich selbst, fände ich nicht einen Weg, trotzdem zufrieden zu sein. Verringere ich den Druck auf mich selbst, dann geht es mir besser. Geht es mir gut, schaffe ich am Ende mehr. Das Ziel sind 12000g in 12 Monaten! Also denke ich weiter über einen echten Stashbuster nach.
Lena hatte die hilfreiche Idee, irgendein Großprojekt, das richtig viel Wolle frisst, in Angriff zu nehmen. Wir haben lange überlegt. Die Fülle an Ideen selektierten wir nach sinnvoll, machbar, innovativ, spannend und bunt. All diese Eigenschaften in sich vereint bietet eine Tagesdecke aus einzelnen Segmenten. Ist sie einmal fertig, kann sie nach Herzenslust genutzt werden und erinnert mich dann immer an dieses Jahr 2011. Jeden Monat neben den anderen Kreationen ein oder zwei Segmente zu arbeiten ist bestimmt machbar. Wenn sich die Idee der Gestaltung im Laufe der Zeit ändert, entsteht ein gestricktes Tagebuch oder wie man es auch immer nenne mag. In jedem Fall wird  es einzigartig, sehr persönlich und garantiert nicht langweilig. Naja, und weil ich jetzt noch nicht alle Garne dafür herausgesucht oder eingekauft oder gesponnen habe, wird es wohl ein bunter Sampler.
Wichtig allein ist der Start, denn genau betrachtet, bin ich damit einen Monat im Verzug. Also starte ich endlich durch und nutze die Zeit, die mir zur Verfügung steht. 
Bis Ende Januar hatte ich meine 1000g geschafft.









Freitag, 7. Januar 2011

206g

Manchmal treffen wir uns nur zu zweit, nur Lena und ich. Emma ist oft unterwegs. Das bringt ihr Job mit sich. Jetzt ist sie nicht im Auftrag der Weltwirtschaft verreist. Ein paar Tage Winterurlaub hat sie sich wirklich verdient. Nächste Woche ist sie wieder dabei, wenn wir uns am Donnerstag bei Hans treffen.

Gestern saß Lena schon an unserem Tisch in Hansi´s Kneipe. Obwohl ich gleich einen Parkplatz gefunden hatte, war ich spät dran. Zu Hause erforderten wieder eine Reihe von kleinen und großen Anliegen meine Aufmerksamkeit. So kam ich erst in letzter Minute auf den Weg.

Nun war ich da und freute mich beim Eintreten sehr, Lena zu sehen.
Nachdem ich meinen Mantel ausgezogen und Hans von Herzen viel Glück für das neue Jahr gewünscht hatte, ließ ich mich auf die Eckbank fallen. Jetzt war meine Zeit, nur für mich und in behaglicher Gesellschaft meiner besten Freundin.

Natürlich wollte Lena gleich sehen, was ich von meinem Januarkilo bereits verarbeitet habe. Also holte ich meine Socken hervor. Sie gefallen mir richtig gut. Voller Stolz zog ich mir eine über meine linke Hand. Das gezackte Lochmuster entfaltete leicht gedehnt seine ganze Schönheit.

Am Funkeln in Lenas Augen erkannte ich, dass sie mir der Auftakt meines Strickmarathons gelungen war.
"Du hältst gerade die ersten 76g von 12000 in den Händen." erklärte ich ihr. "Und hier sind weitere 130g." Mit diesen Worten legte ich das graue Gotlandgarn auf den Tisch.


Damit sind bereits 206g geschafft. Für diese erste Woche fehlen mir noch 25g. Ich habe bereits einen weiteren Strumpf in Arbeit, der bis Samstag sicher fertig wird. DasMuster ist diesmal zweifarbig. Die doppelte Fadenführung sorgt nicht nur für wohlige Wärme für die Füße, sondern auch für mehr Gewicht als bei einfädigen Socken.

Wir verbrachten den Abend damit, uns von unseren Feiertagserlebnissen zu erzählen, das natürlich strickend.
Ich liebe diese Donnerstage...

Montag, 3. Januar 2011

Perfektionismus

Das Streben nach möglichster Perfektion klingt als Eigenschaft zunächst perfekt und erstrebenswert. Sieht man genauer hin, macht Perfektionismus gutes Leben oft unnötig schwer. Schließlich ist Fehlerlosigkeit unmöglich.

Wie oft habe ich mich auf der Jagd nach den höchsten Zielen gehetzt. Je mehr ich mich anstrengte, so geringer fiel der Lohn aus. Also habe ich gelernt, etwas gut sein zu lassen, wenn es sehr gut ist. Gesunder Ehrgeiz ist eine bessere Bezeichnung für einen hohen Qualitätsanspruch. Sich Mühe zu geben, wird honoriert.

Mir erschien es einfach, mein Superstrickjahr mit einem Paar Socken zu beginnen. Strümpfe braucht jeder und ich ganz besonders, meine handgestrickten sind schon recht abgenutzt. Sie sind schnell fertig und können gewogen werden.

Also ein Paar Socken.

Die Idee, 12 Paar in 12 Monaten, gefällt mir. Ein Adventskalender aus bunten Strümpfen steht schon viele Jahre auf meiner Liste.

Gut, ich stricke Socken. Aber ich stricke nie einfach nur Socken. Ich verbringe Stunden damit, Muster zu zeichnen, Rapporte zu berechnen, Fersenformen zu planen. Ist diese ausführliche Vorbereitung übertrieben?
Seit ich die Entscheidung zwischen Toe up und klassisch vom Bein zur Spitze getroffen habe, stricke ich gut gelaunt an meinen ersten statistischen Gramm...

Samstag, 1. Januar 2011

Tag 1

Alles auf Anfang. Das Jahr 2011 hat begonnen - PROSIT!

Aktuell ist es bereits 14 Stunden alt, und ich habe noch keine einzige Masche gestrickt. Das bedeutet Rückstand!
Auch wenn ich so nicht starten wollte, was wäre die Alternative gewesen? Klar hätte ich direkt im Anschluss an  die Silvesterparty die Stricknadeln zur Hand nehmen können. In so viel Enthusiasmus muss ich erst noch hinein wachsen. Ich meine, auch wenn ich fest entschlossen bin, so will ich doch nicht wollwunderlich werden. Also hübsch langsam. Mir bleiben noch 364,5 Tage. Mein Rückstand beläuft sich aktuell auf 16,5g und ist überschaubar.

Wenn ich 12.000g Wolle in 365 Tagen verarbeiten will, sind das
12.000 : 365 =   32,87g / Tag
12.000 :   52 = 230,76g / Woche
     231 :     7 =        33g / Tag.
Eine kleine Socke wiegt ca. 27g. Ich arbeite ungefähr 5 Stunden daran. Wenn ich also sechs Stunden pro Tag an Socken stricke, bleiben mir noch 18 Stunden für all die anderen Dinge des Lebens.

Das ist die Theorie. Wir wissen alle, dass die Praxis anders aussieht. Die Rechnung schafft Klarheit. Schließlich soll man sich eine große Aufgabe in einzelne Häppchen aufteilen.

Lena hat auch schon angerufen. Natürlich wollte sie wissen, wie weit ich schon bin. Ich habe ihr gesagt, dass ich zwar noch nicht gestrickt habe, dafür aber eine Idee, die ich später auf Kästchenpapier ausarbeiten und danach anstricken werde.
Sie ist, glaube ich, zufrieden, dass ich wenigstens in Gedanken  mit Wolle arbeite.

Freitag, 31. Dezember 2010

Die Stammtischidee

Stammtischideen werden meist von Männern ersonnen.

Wir trinken zwar auch mal ein Bier zusammen, sind aber eben drei Frauen. Bei unserem allwöchentlichen Treffen vor 14 Tagen kamen Lena, Emma und ich darauf zu sprechen, wie viele Handarbeiten in persönlichen Statistiken erfasst, und gerade jetzt zum bevorstehenden Jahreswechsel ausgewertet werden. Ich finde es erstaunlich, wie zahlreich die fertigen Teile da bei einigen zusammen kommen. Eine Statistik zu führen erscheint mir selbst doch etwas übertrieben. Schließlich soll das Stricken, Häkeln und die anderen Handarbeiten in erster Linie Spaß machen.

Als wir ausführlich über den Sinn und Unsinn von Lauflängenmetern und Grammzahlen diskutierten, traten einige durchaus beachtenswerte Gesichtspunkte zu Tage. Unweigerlich kamen wir dann auch darauf zu sprechen, dass gerade ich in einem Jahr nie so viel fertig bekomme. Im Anfangen bin ich wahrscheinlich Weltmeister. Ja, ich habe Unmengen an Ideen und nicht immer den Durchhaltewillen oder die Zeit, alle zu vollenden.

Akkurate Buchführung, über beispielsweise 12 Paar Socken in einem Jahr, könnte für mich hilfreich sein. Aber wer kontrolliert das dann? Wer wacht über meinen inneren Schweinehund und macht ihm gelegentlich Beine? Wer freut sich mit mir über Erfolge und motiviert mich, wenn es zäh wird?

Unsere Debatte kam so richtig in Schwung. Argumente jagten Ideen, die zu weiteren Ideen flogen und uns neue Argumente aussprechen ließen.

Das neue Jahr steht vor der Tür. Die Zeit der guten Vorsätze ist der perfekte Zeitpunkt dafür, ein Ziel zu setzen, an die Startlinie zu gehen und anzufangen.

Warum war gerade ich ins Visier der beiden geraten? In die Enge getrieben, wehrte ich mich dagegen. Mein Temperament wollte gerade mit mir durchgehen und unsere Freundschaft auf eine harte Probe stellen, als Lena diesen Film erwähnte. Natürlich erinnern wir uns an den Film "Julie & Julia", das Julie & Julia Projekt. Die junge Amerikanerin, wollte sich zum Beweis für ihre Ausdauer in 365 Tagen durch die 524 Rezepte der Julia Child kochen und darüber öffentlich in einem Blog berichten.

Jetzt gab es für Lena und Emma kein Halten mehr. Jetzt war ich dran. Ich soll allen Ernstes ein Jahr lang ein öffentliches Tagebuch führen...

Ihr ahnt es sicher (schließlich lest Ihr ja hier), ich habe mich ergeben und die Herausforderung angenommen.

Eine Parallele zu dem Kochbuch sieht Emma für mich als Strickerin im "Knitters Almanach" von E. Zimmermann. Die Modelle darin sind nicht so sehr nach meinem Geschmack. Also überlegten wir uns Alternativen.

Das Ziel ist, jeden Monat 1000g Wolle zu verarbeiten. Es darf gesponnen und gestrickt werden. Zu meiner Entlastung konnte ich den Kompromiss heraus handeln, dass beides zählt. Ich muss also nicht erst das Garn spinnen und anschließend verstricken. Aber auch so bleibt es ein sportliches Ziel. Erwähnte ich bereits das Wort Herausforderung?

Der offizielle Startschuss fällt am 01.01.2011.

Ich gehe mich schon mal aufwärmen...